Il Centro di Cultura e d’Arte Ascona
Die Geschichte des Hauses Nummer 14 in der Via Beato Pietro Berno, nur zwanzig Meter vom Ufer des Lago Maggiore entfernt, reicht ein halbes Jahrtausend zurück: Als Venedig noch ein eigener Staat war und sich das osmanische Reich von der Krim bis nach Algerien erstreckte, wurde im kleinen Fischerdörfchen Ascona der Grundstein für ein Gebäude gelegt, dem neben einer Vielzahl baulicher Änderungen und Erweiterungen eine abwechslungsreiche Geschichte bevorstehen sollte. Ursprünglich als Wohnhaus für mehrere kleine Parteien errichtet und genutzt, diente die Nummer 14 im Laufe der Jahrhunderte unter anderem als repräsentativer Familiensitz, Bibliothek, Altenheim, Schneiderei, Boutique und Tanzlokal.
Nicht weit des Gebäudes, auf halber Strecke zum See, wurde Mitte der Achtziger Jahre im Vicolo Sacchetti eine der mittlerweile ältesten Kunstgalerien der Stadt eröffnet und in einem Anflug von Pragmatismus nach der Gasse «Galleria Sacchetti» getauft. Unter den Eröffnungsgästen war gänzlich spontan – und nach einer Wanderung aus Centovalli dem Anlass nur mässig angemessen gekleidet – Christoph Schoop, der noch am selben Tag eine Skulptur erwarb und den von nun an eine gute Freundschaft mit dem Galeristen Carl Jensen verband. Dreissig Jahre lang führte Jensen die Galerie. Er zog um die Jahrtausendwende in die grösseren Räumlichkeiten in der Via Beato Pietro Berno 14 um und übergab schlussendlich im Zuge seiner Pensionierung Christoph Schoop, seinem ersten und mitunter treuesten Kunden, die Galerie. Als Bauunternehmer mit einem Faible für die Erhaltung und Aufwertung historischer Bausubstanz begann für Christoph eine restauratorische Reise, in dessen Verlauf das Gebäude viele der Ergänzungen aus dem vergangenen Jahrhundert wieder abschütteln durfte: Nachträglich eingezogene Rigipswände wurden wieder entfernt, sodass nur das massive mittelalterliche Mauerwerk und weitläufige, lichte Räume blieben. Grosszügig verlegter Teppich wich dem Charme der darunter liegenden, historischen Terrakottaböden und die Wände wie Gewölbedecken wurden nach einem reduzierten Farbkonzept gestrichen.
Die Arbeiten beschränkten sich nicht nur auf die Galerie im Untergeschoss: Mit dem Erwerb des gesamten Gebäudes konnte auch das angrenzende Bistrot Stuzzichini aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden und der mediterrane Innenhof sowie die weitläufige, grüne Oase des Gartens wurden erneuert: Der Innenhof lädt zum Verweilen im Schatten der Bruchsteinmauern und Palmen und zum geniessen eines Apéros aus dem Bistrot ein. Ausserdem beherbergt er eine imposante Skulptur des polnischen Universalisten Oskar Zięta. Einige Schritte weiter bietet der neu bepflanzte Garten viel Raum und Möglichkeiten für Events jeglicher Arten. Raumgreifende Skulpturen, unter Anderem in Marmor von Roberto Rocchi und in Bronze von Mario Dilitz, bereichern und kontrastieren die Natur. Center Piece des Gartens ist eine majestätische Weisstanne, welche durch fünf Längsschnitte in eine minimalistische, 13.5 Meter lange Tafel samt Bänken verwandelt wurde, die fünfzig Gästen ein unvergessliches Festmahl schenken, aber genau so gut als Laufsteg genutzt werden kann.
Im Geschoss über der Galerie wurden acht gemütliche Gästezimmer eingerichtet, die der historischen Bedeutsamkeit des Gebäudes gerecht werden und mit Kunst aus der Galerie bereichert sind. Die Zimmer – einige mit, einige ohne Küche – bieten Platz für zwischen zwei und vier Gästen und können durch Durchgangstüren zu grossen, zusammenhängenden Wohnungen kombiniert werden. Wer das massive Holzportal mit schwerem Eisenriegel an der Nordwestwand passiert, gelangt in ein Hochgewölbe, welches das Bistrot Stuzzichini beherbergt. In dem gemütlichen Raum mit grossem ehemaligen Kamin, finden zwanzig Gäste Platz und im angeschlossenen Innenhof dreissig weitere. Im Bistrot wird bewusst lokal und regional gekocht, es ist aber auch Platz für ausgefallenere Kulinarik. Ausserdem überzeugt die Getränkekarte mit einer umfangreichen Auswahl sowohl tessiner, als auch internationaler Weine.
Die letzte Säule des Programms bildet das Residenza-Programm: Während in der Galleria Sacchetti vornehmlich die Arbeiten etablierter Künstlerinnen und Künstler ausgestellt und verkauft werden, entsteht in Ponte Brolla, etwa zehn Minuten nordwestlich von Ascona, ein Ort für junge und aufstrebende Kreative. Hier wird das Magazin eines alten Sägerei-Netzwerkes restauriert. Der Holzschlag und die Verarbeitung hatten vom Achtzehnten bis ins Zwanzigste Jahrhundert in der Region Hochkonjunktur und der historische Bau direkt an am Eingang zum Maggiatal wird ab seiner Fertigstellung 2028 neben einem Zero-Waste-Restaurant und einer Galerie mit 11m hohen Räumen, viel Platz für künstlerisches Schaffen bieten. In mehreren geräumigen Ateliers können junge Kunstschaffende parallel über einen begrenzten Zeitraum leben und, abseits vom Alltag, fokussiert an einem kreativen Projekt arbeiten. Das Team der Galerie steht dabei mit Rat und Tat zur Seite und zum Abschluss einer jeden Residenz gibt es eine Vernissage vor Ort. Während sich der Standort in Ponte Brolla noch im Bau befindet, läuft das Residenzprogramm bereits seit über einem Jahr in einer Zweigstelle in Flims – darüber hinaus
«Centro Culturale Beato P. Berno» hiess es über der Gartenpforte in Anlehnung an hier geborene sakralen Prominenz. Und ein «Kulturzentrum» ist auch jenes Konzept, das dem umfangreichen Programm, das in der Hausnummer 14 stattfindet, am ehesten gerecht wird. So haben sich die Gründer, Christoph Schoop und Pelin Karamustafaoglu 2023 entschieden, das Städtchen am Lago Maggiore mit dem «Centro di Cultura e d’Arte Ascona» um eine Institution zu bereichern – Eine, die Kunst und Kultur sowohl für die vielen Besucherinnen und Besucher der Region, als auch für die Bewohnerinnen und Bewohner Asconas und seiner Umgebung zugänglich macht, in der Events und Workshops stattfinden, Kunst gehandelt wird, philosophische Diskurse abgehalten werden, Künstlerinnen und Künstler arbeiten, authentische Küche angeboten wird oder wo man einfach mal die Seele und die Füsse baumeln lassen kann.
Dies ist ein Beitrag in Zusammenarbeit mit dem Centro di Cultura e d’Arte Ascona.
CCAA – Centro di Cultura e d’Arte Ascona
Via Beato P. Berno 14
CH-6612 Ascona
www.ccaa.ch